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Mostar: die Radobolja-Brücke Kriva Ćuprija

31.10.2015

Die Radobolja-Brücke Kriva Ćuprija (Krumme Brücke) ist eine von zwei Brücken aus osmanischer Zeit in Mostar, der größten Stadt der Hercegovina. Die kleine Bogenbrücke wurde im Jahr 1558 von Mimar Sinan als Baumuster für Mimar Hajrudin erstellt, der von Sultan Suleiman dem Prächtigen den Auftrag erhalten hatte, in Mostar eine Brücke über die Neretva zu bauen.

Radobolja-Brücke Kriva Ćuprija in Mostar
Die Kriva Ćuprija in Mostar (Hercegovina), Brücke des osmanischen Baumeisters Sinan über die Radobolja (Bild: Gösta Thomas). Das Foto stammt aus dem April 2013 (noch keine Rohrleitungen sichtbar).

Mimar Sinan und Mimar Hajrudin: Lehrer und Schüler

Mimar (kein Vorname, sondern türkisch für Baumeister, Architekt) Sinan war der Überlieferung nach Armenier; jedenfalls war er ursprünglich Christ, der später zum Islam übertrat. Sinan war in der osmanischen Armee oberster General der Pioniere und nahm an vielen Feldzügen Sultan Suleimans teil. Zugleich war er Chefbaumeister des Sultans und errichtete viele Moscheen, Paläste, Schulen und andere Bauwerke im gesamten osmanischen Reich. In den Jahren 1557 und 1558 war Sinan in Mostar, um die Karađozbeg-Moschee (bosniakisch/kroatisch: Karađozbegova Džamija) zu bauen. Als Architekt hatte Sinan mehrere Schüler. Einer seiner Schüler war Hajrudin, der vom Sultan beauftragt war, in Mostar die Neretva-Brücke zu errichten.

Radobolja-Brücke Kriva Ćuprija in Mostar
Die Kriva Ćuprija im Herbst 2015 (Bild: Gösta Thomas). Anscheinend stören die sichtbar verlegten Rohrleitungen die sonst so gestrengen Unesco-Aufpasser nicht.

Die Radobolja-Brücke Kriva Ćuprija, Baumuster für die Neretva-Brücke

Die Kriva Ćuprija über die Radobolja wurde innerhalb eines Jahres (1558) gebaut. Der Bau der größeren Neretva-Brücke Stari Most (Alte Brücke) zog sich zehn Jahre hin (1556 bis 1566) und dauerte deshalb so lange, weil sie während der Bauzeit mehrfach einstürzte. Sinan kam seinem Schüler Hajrudin zu Hilfe und baute kurzerhand über die Radobolja eine kleine Musterbrücke mit allen erforderlichen technischen Merkmalen einer größeren Brücke: in Sichtweite der zu bauenden Neretva-Brücke. Alleine um die nur wenige Meter breite Radobolja zu überbrücken, hätte es keiner so aufwendigen Brückenkonstruktion bedurft: ein paar Bretter vom einen Ufer zum anderen hätten zur Überquerung locker ausgereicht. Wer auf die Karte schaut, zweifelt, ob an dieser Stelle eine Brücke über die Radobolja nötig war.

Die Krumme Brücke war durch ein Jahrhundert-Hochwasser am 31.12.1999 zusammengebrochen, wurde aber bis zum Jahr 2002 originalgetreu wieder aufgebaut. Diese Zeitangaben weichen von denen der Unesco ab. Ich verlasse mich lieber auf die Aussagen einheimischer Mostarer Bürger als auf die Angaben ferner Unesco-Bürokraten. Diese Funktionäre sind ja nicht mal in der Lage, den Namen des Bauwerks in landesüblicher Schreibweise zu schreiben (falsche Unesco-Schreibweise: Kriva Cuprija, richtige Schreibweise in den Landessprachen Bosniakisch/Kroatisch: Kriva Ćuprija mit Akut über dem C).

Danke an Elvira von der Mostarer Reiseagentur Fortuna für die hilfreichen Informationen zur Krummen Brücke :-)

Radobolja-Brücke Kriva Ćuprija in Mostar
Kriva Ćuprija heißt auf Deutsch krumme oder schiefe Brücke (Bild 2015: Gösta Thomas). Das Bauwerk wurde im Dezember 1999 durch ein Hochwasser eingerissen, aber bis zum Jahr 2002 wieder aufgebaut.

Zum Vergleich: Bild der Neretva-Brücke Stari Most

Neretva-Brücke Stari Most in Mostar
Die Stari Most (Alte Brücke) des osmanischen Baumeisters Hajrudin über die Neretva (Bild 2013: Gösta Thomas)

Mostar: der Bach Radobolja

Die Radobolja, eher Bach als Fluß, entspringt an einem Berg in einem westlichen Ortsteil von Mostar, ist knapp fünf Kilometer lang und mündet etwa 150 Meter hinter der Kriva Ćuprija in die Neretva. Früher diente die Radobolja auch der Trinkwasserversorgung von Mostar, mittlerweile ist ihr Wasser wegen der vielfachen Einleitung von Abwasser aber ungenießbar. Die Mostarer Brauerei verwendet für ihr Hercegovačko Pivo kein Radobolja-Wasser. Keine Schlacht wurde je nach ihr benannt. Nicht mal eifrige Wikipedia-Legendenschreiber haben bisher behauptet, es hätte eine Schlacht an der Radobolja stattgefunden. Ohne Sinans Brücke wäre die Radobolja überörtlich vermutlich genauso unbekannt wie der Hutgraben im Erlanger Ortsteil Tennenlohe.

Die Radobolja, ein Bach in Mostar (Hercegovina)
Die Radobolja etwa 100 Meter oberhalb der Kriva Ćuprija (Bild 2013: Gösta Thomas). Hier kommen alle Besucher vorbei, die vom Parkplatz am Glockenturm in die Altstadt von Mostar gehen.
Die Radobolja, ein Bach in Mostar (Hercegovina)
Die Radobolja ein paar Meter oberhalb der Kriva Ćuprija (Bild 2013: Gösta Thomas)

Die Kriva Ćuprija (Mostar) auf der OSM-Karte

veröffentlicht in kat_Reisen

 
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